Start Geschichte
Geschichte PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Matthias Möring   
Donnerstag, den 11. Februar 2010 um 12:37 Uhr

Die Geschichte von Holte

Holte ist ein uraltes Siedlungsgebiet auf dem südlichen Hümmling. Jungsteinzeitliche Megalithgräber (ca.2000 v.Chr.), Hügelgräber der Bronzezeit (ca. 1700 - 800 v.Chr.) in der Nähe. Erste geschichtliche Erwähnung in Urkunde Kaiser Otto des Großen von 947 als "Holuidde"= Holz,Wald. Die "Curia Holte" war ein großer Oberhof mit mehreren Unterhöfen und ab 1311 im Besitz des Bischofs von Osnabrück.Dazu gehörten der Schultenhof, 3 Nebenhöfe, die freien Sundern, die Kirche und das Gildehaus (erw.1349). Die sogenannt "Freiheit Holte" beschränkte sich auf Steuerfreiheit des niederen Adels gegenüber dem Bischof.
Von 1252 bi s 1820 war Holte neben Kirchspiel-Mittelpunkt auch Verwaltungssitz für Holte, Lastrup, Lähden, Herßum, Ahmsen, Vinnen und Wachtum (Wachtum später zu Löningen).
Ab 1820 alles selbstständige Gemeinden, ab 1974 Gemeinde Lähden, Samtgemeinde Herzlake. Holte ist nicht wie die anderen Orte der Region eine Bauerschaft, sondern eine Dorfschaft von besonderer Art von sehr geringer Größe (104 ha), dessen Einwohner fast alle Handwerker und Kaufleute waren. Für diese Gegend war er von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Ziegelei, Tabakfabrik, Strickwaren-Großhandel etc. 1348 bis 1442 waren derer von dem Beele (bei Landegge)Lehnsherren von Holte, 1442 bis 1717 waren es derer von Schwenke (Fresenburg) und 1717 bis 1765 derer von Langen (Kreyenborg). Ab ca.1600 bis zum Totalverkauf des adeligen Bezitzes 1765 wurde Land an Einwohner veräußert. Joh. Uhle kaufte den Schultenhof. Den Rest kauften 2 Haselünner Kaufleute und verkauften an 22 Einwohner von Holte weiter (die Vierundzwanziger!). Deren Familien leben größtenteils noch heute hier. 1276 Ersterwähnung der Kirche von Holte (wahrscheinlich erheblich älter!).

Patronatsrecht (St. Clemens) bis 1311 beim Kloster Iburg, dann beim Bischof von Osnabrück. Aus dieser Zeit: romanisches Taufbecken( ~800 Jahre ) und besonderes das Kruzifix, das sog. "Holter Kreuz"(~700 Jahre). Von 1252 bis 1668 war der Bischof von Osnabrück geistliches Oberhaupt, der Bischof von Münster weltliches Oberhaupt. Bis 1803 war beides in einer Hand (Niederstift Münster).


Die Pfarrei Holte war neben der Urpfarrei Sögel die bedeutendste und einkommensstärkste Kirchengemeinde des Dekanates Hümmling. Im Jahr wurde die Katharinen-Vikarie durch Lehnsherr Jacob und Pfarrer Hermann von dem Beele gegründet. Auch die Küsterei wird beurkundet. Die erste noch heute erhaltene Glocke (um 1330) und die beiden größeren von 1509 hingen bis 1851 in hölzernem Glockengerüst. Turmbau und Erweiterung der Kirche um ein Joch: 1851. Kirchenneubau (Gotik) 1523 aus Findlingen, Raseneisenstein und Klinker (Zisterzienser Fonnat) verputzt mit Muschelkalk. Sonnenuhr an der Südseite.


In der Kirche: Gotisches Sakramentshäuschen und F ensterrahmung hinter dem Hochaltar. Die Innenausstattung der einschiffigen Kirche wurde überwiegend durch den Barockkünstler Thomas Joellemann zwischen 1705 und 1746 geschaffen: Pieta, Haupt-und Seitenaltäre, Kanzel (mit höchst seltener Vorhangmalerei in smalteblau), Kerzenständer, Kruzifix, Heiligenfiguren, umfangreiche Krippe etc . In der KriegerGedenk-Kapelle steht eine lebensgroße Kreuzwegstation von Joellemann, die sog. "Holter Juden". Aus der Zeit stammen noch eine Sonnenmonstranz und ein Kelch. Es ist eine sehenswerte Kirche mit vielen Baustilen. Holte hat eine wertvolle Wenthin-Orgel (1840) mit klassizistischem Prospekt (erste Orgel ~1698). Die Empore ist zweistufig. Der farbenfrohe Kreuzweg war früher in Einzelbildfassungen in der Kirche verteilt. Über dem Kreuzgang hängt ein vergoldeter Kronleuchter. Im Zenit an der Decke befindet sich die Kartusche des Kirchenpatrons St. Clemens. Im Turm stehen Heiligenfiguren des heimischen Künstlers Lukas Meemken (19.Jahrh.) Aus der Gegenwartskunst kommen Zelebrationsaltar und Ambo.

Die Kirche ist umgeben von einer historischen Kirchenmauer mit z. T erhaltenen Sandstein Kreuzwegstationen. Das angrenzende Küsterhaus ist heute Pfarrheim(Fachwerk von 1778), im Pfarrgarten aus jener Zeit das heutige Jugendheim.Der Friedhof wurde 1890 angelegt (vorher innerhalb der Kirchhofsmauer).


Die Dorfmitte ist der Marktplatz. Hier wird wohl jahrhundertelang Handel und Wandel gewesen sein. 1775 gestattete Fürstbischof Maximiian den Holtern einen dreitägigen Jahrmarkt beginnend am Sonnabend vor Maitag. Dieser sog. "Holter Mai" wird noch heute gefeiert (2 Tage ). Das gesamte Umfeld der Kirche einschließlich des Marktplatzes wurde neu gestaltet (Klinker und Grünanlagen - Auszeichnung!).Schon 1316 wird eine "Schule" erwähnt. Das ist die mit Abstand älteste Schulerwähnung im Kirchspiel. Es wird eine sogenannte Lateinschule in Verbindung mit der Kirche
gewesen sein, die nur von wenigen Jungen besucht wurde. Das erste Schulgebäude- mehr eine Hütte-, stand am Rand des Leweskampes, heute Schützenplatz. 1784 wurde auf dem "Holter Brink" gegenüber der "Aohle" der erste feste Schulbau errichtet. Bis 1955 wurde er als Schule genutzt. Dann entstand die neue "Schule am Walde", die in den 1970ger Jahren als Mittelpunktschule (mir großzügiger Sportanlage) des alten Kirchspiels ausgebaut wurde. Die erste Landwirtschaftsschule stand ab 1941 (auch als erster Kindergarten)an der Hauptstraße, dann an der Lähdener Straße und ist seit 1972 Ort des Kindergartens.Das Krankenhaus von Holte war für den weiten Umkreis bedeutend und hatte eine guten Ruf. Vor etwa 25 Jahren wurde es zur Fachklinik für Suchtkranke umgewandelt. Unweit vom Ort entstand auch ein Wohn- und Betreuungsheim mit Wohnanlage/Schwimmbad für Senioren. Holte hat ein reges Vereinsleben (Feuerwehr, Schützenverein, Sportverein usw.). Die alte Dorfstruktur und die waldreiche Umgebung machen es zu einem liebens- und lebenswertem Ort.


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 14:48 Uhr