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Geschrieben von: Matthias Möring   
Sonntag, den 14. Februar 2010 um 18:12 Uhr

Aus der Geschichte des Schützenvereins Holte


150 Jahre Schützenverein in Holte ist eine beachtliche Zeitspanne und dabei ist nicht einmal dokumentarisch gesichert, ob es dem tatsächlichen Zeitraum entspricht. Eine Gründungsurkunde oder andere schriftliche Hinweise fehlen bisher gänzlich. Der Schützenverein Holte kann durchaus noch älter sein. Einen „Beweis“ für 150 Jahre Bestand stellt lediglich ein Foto dar, auf dem die Vereinsfahne mit der Jahreszahl 1852 abgelichtet ist.

Lange Zeit ist man in Holte vom Gründungsjahr 1910 ausgegangen, da in dem Jahr ein Kassenbuch angelegt und bis heute lückenlos geführt wurde, zumindest, was die Thronbesetzung betrifft.


Das Jahr 1852 aber dürfen wir getrost als Gründungsjahr zugrunde legen, denn am 25. Mai 1857 lädt das Holter „Fest-Comite“ im Ems-Hase-Blatt für den 7.Juni 1857 zum Schützenfest ein. Das Fest hatte sich also schon etabliert.

 

 

Zum Schützenwesen:

Die ersten Schützengesellschaften oder -gilden finden wir bereits im Mittelalter, Anfang des 14.Jahrhunderts, erwähnt (Holland 1347). Die älteste emsländische Schützengilde ist wohl die der„Kivelinge“ in Lingen (1372). Woher aber kommt das Schützenwesen?

Es hat sehr alte Wurzeln: Schon unsere Vorfahren bildeten vor Jahrtausenden in ihren kleinsten Siedlungen Schutzgemeinschaften gegen äußere und innere Gefahren. In unseren „Wehren“ haben sich Reste davon bis heute erhalten. In der Frühzeit, als es noch keine stehenden Heere gab, besonders aber in der von Kriegen und bewaffneten Überfällen heimgesuchten Zeit des Mittelalters, schlossen sich die wehrfähigen Bürger vor allem in den Städten zu Schutz- und Trutzge-meinschaften zusammen. Dies sind die Wurzeln der Schützenvereine, der Feuerwehren sowie der Wach- und Schließgesellschaften.

Der Gebrauch von Knüppel, Keule und Spieß bedurfte weniger der Übung, wohl aber der von Bogen, Armbrust und erst recht von Feuerwaffen. Regelmäßige Schießübungen waren unbedingt erforderlich.

So ist es leicht erklärlich, dass für die vielen Mühen und Lasten, die mit dem fleißigen Üben oder gar dem erfolgreichen Einsatz erforderlich waren, ein großes Fest, das Schützenfest, unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung gefeiert wurde. Bei diesem meistens jährlich wiederkehrenden Ereignis wurde in friedlichen Zeiten der beste Schütze ermittelt und zum Schützenkönig ausgerufen. Im 15.,16. und 17. Jahrhundert wurden z.T. schon großartige Schützenfeste gefeiert, wie wir auf alten Gemälden (Rembrandt,van der Helst u.a.) sehen können. Die Volksfeste verloren im 17. Jahrh. ihre Beliebtheit, als die Bedeutung der Schützenbruderschaften abnahm.

Im fürstbischöflichen Erlass aus Münster (der Hümmling gehörte von 1252 bis 1803 zum weltlichen Staatsgebiet Münster) aus dem Jahr 1571 werden genaue An-ordnungen zum Abhalten eines Schützenfestes gegeben. Der tatkräftige Fürst-bischof von Osnabrück Franz II. Wilhelm Kardinal Graf von Wartenberg erließ um 1650 eine Verordnung, um diesen alten Brauch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen:

„Im Dreißigjährigen Krieg ist der alte Brauch des Vogelschießens verschwunden. Nun ist Friede im Lande. Damit die Untertanen im Schießen erprobt bleiben und Sitte und Brauchtum der Väter wieder zu Ehren komme, muss in jedem Dorf alljährlich zwischen Ostern und Jakobi (25.Juli) ein Herrenvogel oder ein freier Vogel geschossen werden.

Die Veranstaltung soll an einem Werktag sein, vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang. Jeder Voll- und Halberbe, jeder Erb- oder Markkotten muss bei Vermeidung einer Strafe mit einem Gewehr erscheinen. Die Vogelstange muss 80-100 Fuß lang sein. Der Vogel ist aus zähem Holz, möglichst aus Wurzeln, anzufertigen.

Zum Beginn des Schießens wird der silberne Vogel, den der vorjährige König an einer Halskette getragen, unten an die Stange gehängt. In bestimmter Ordnung hat dann jeder Schütze zu schießen. Niemals dürfen zwei gleichzeitig einen Schuss abgeben. Wer die Krone des Vogels von der Stange schießt, ist Schützenkönig. Er wird mit dem silbernen Vogel geschmückt. Als Lohn für seine Tat ist er im folgenden Jahr frei von persönlichen Leistungen in der Gemeinde (Wachdienst, Wolfsjagden...). Ist der Vogel bis zum Sonnenuntergang nicht abgeschossen, sind als Strafe zwei Fuder Hafer (etwa 20 Zentner) zu entrichten.

Damit auch der Frohsinn zu seinem Recht komme, ist ein Umtrunk nicht verwehrt. Auf 20 Personen darf jedoch nicht mehr als eine Tonne Bier (ca.100 l) kommen, und dem König sollen keine Kosten entstehen. Vom Vogt ist darauf zu achten, dass keiner Zank und Kibbelei anfängt. Nötigenfalls wird er am Strafgericht gebührend dafür bestraft. Eine große Mahlzeit soll hier nicht stattfinden. Fremde Personen sind möglichst nicht einzuladen. Niemals darf ein Ortsfremder nach dem Vogel schießen. Ausdrücklich ist es verboten, Gewehre über Äcker und Felder zu tragen (alleiniges Jagdrecht des Fürsten!).Alle sollen beizeiten nach Hause gehen.“

Der nicht sonderlich beliebte Fürstbischof Bernhard von Galen (1667 - 1678)- in Ostfriesland hieß er „Kanonen-Bernd“- ließ verdiente Offiziere o.a. in den einzelnen Kirchspielen als sog. „Führer“ einsetzen, die zweimal im Jahr die männlichen Einwohner zu Exerzierübungen und zur Überprüfung der Gewehre zusammenzogen. Über ihn hat sich bis heute ein plattdeutscher Spottvers erhalten:

Berndken van Galen

kaenn puchen un prahlen,

kaenn stinken un leeigen

un Lüe bedreeigen.

Weshalb der Holter Schützenverein 1852 (oder früher) gegründet wurde, wissen wir nicht, da ein äußerer Anlass in der Zeit nicht zu erkennen ist. In katholischen Gegenden wie der unseren waren oft kirchliche Bruderschaften Ausgangspunkt solcher Vereinsgründungen. Sie nannten sich Gilden (Gilde: altsächsisch *geldan*) -. In Holte gab es mehrere Bruderschaften: Volksverein, Jungmänner, ...(Pfarrarchiv). Das Holter „ghilde hus“, eine „ghilde“ und ein „ghilde meester“ werden nämlich schon 1349 erwähnt. Was hier unter „Gilde“ zu verstehen ist, ist nicht eindeutig erkennbar. Gilden waren im Mittelalter auch Schutzgemeinschaften, wirtschaftliche Vereinigungen (Zünfte, Hanse) oder religiöse Gruppen (Bruderschaften).

In Holte werden nicht die wirtschaftlichen Gilden (Zünfte) der Handwerker und Kaufleute, wohl aber religiöse und Schutzgilden von Bedeutung gewesen sein. Ob diese die Keimzelle des heutigen Vereins sind, oder sogar noch frühere, wird man schwerlich nachweisen können, denkbar wäre es. Dann wären die Wurzeln des Vereins schon über 650 Jahre alt!

Wahrscheinlich sind es gesellige Gründe gewesen, die zu (Neu-)Gründungen von Schützenvereinen im 19.Jahrhundert geführt haben: Pflege von Bürger- und Gemeinsinn, Geselligkeit, Frohsinn, heute auch sportlicher Wettkampf und Integration von Neubürgern. Im Gründungs-Antragsschreiben eines ähnlich gelagerten Falles heißt es 1861, ... „dass ein Mangel an anständigen, geordneten Vergnügen, woran eine allgemeine Teilnahme stattfindet, schon lange fühlbar“ sei. Bis dahin gab es also kein Fest für das gesamte Dorf. Man vergnügte sich nur auf „Burloss“, Familienfeiern u.dgl.. Oft entarteten diese derart, dass die Behörden mittels Erlassen (Circulare) einschreiten mussten (Holter Circular - im Pfarrarchiv Holte).

Schützenfest un Kaemsedaoge

staoht se daenn wall ehr`n Mann,

Wecker arbeit`aale Daoge,

dröff uk fier`n daenn un wann.

Unser Verein besteht also seit mindestens 150 Jahren und er möge wie es in dem kleinen Notizbuch steht ... „wachsen, blühen und gedeihen, unser Schützenverein Holte!“

Wer die Gründer waren, wann das erste „Fest“ war und wer der erste König war, wie das Vereinsleben der ersten 58 Jahre aussah, ist völlig unbekannt.

Aus dem erwähnten „Kassenbuch“ von 1910 will ich versuchen zwischen den Zeilen und Zahlen etwas aus dem Vereinsleben bis etwa 1973 zu rekonstruieren. Die Zeit danach ist noch gut in Erinnerung einiger aktiver Mitglieder und wird aus deren Erinnerung erzählt. Die Königspaare und überlieferten Throngefolge werden gesondert aufgeführt.

Ob die Schützenfeste vor 1910 schon im Zelt gefeiert wurden, kann nicht belegt werden, ist aber wahrscheinlich. Transparente, Girlanden und Schmuck wurden aber schon eingesetzt. Erst für 1920 wird ausdrücklich ein Zelt erwähnt. Da der Festwirt in den ersten Jahren zwischen Lembeck, Huser, Rolfes, Jansen, Buchholz und Steenken stets wechselte, für ein Zelt aber keine Miete erhoben wurde, ist es durchaus denkbar, dass der jeweilige Wirt das Zelt stellen, bzw. einen Saal zur Verfügung halten musste.

Der „Leeweskamp“ (Flurbez.:Leeiwekskamp = Lerchenfeld. Leeiwek ist der plattdt. Ausdruck für die Feldlerche) ist wie geschaffen für einen Schützenfestplatz und viele Orte beneiden uns um solch einen Festplatz. Von Pfarrer Schulte (1834 -1880 Pfr.v.Holte) wissen wir, dass er den Leeweskamp umwallen, altes Gehölz entfernen, neu unterforsten sowie einen verlandeten Teich (Aohle) zuschütten ließ (ausführl. im Pfarrarchiv). Das (Neu-)Gründungsjahr liegt in seiner Amtszeit. Sicherlich spielte er bei der Gründung eine wichtige Rolle.

Etwa 1880 stellte der damalige Pfarrverweser Evers den Leeweskamp für das Schützenfest zur Verfügung ,weil er selbst sehr gesellig und dem Feiern zugetan war, ganz im Gegenteil zu seinem Nachfolger Pastor Jansen, der Feste unterband, wo immer er es konnte.

An den Zahlen im Kassenbuch spiegelt sich die politische und wirtschaftliche Situation Deutschlands stark wider: 1910 kostete das gesamte Schützenfest den Verein 196,60 Reichsmark, die durch 182,20 RM Einnahmen fast gedeckt waren. Einnahmen waren Eintritts- und Fehlschussgebühren.

Auch an Ausstattung wurde in den ersten Jahren einiges getätigt: neue Mützen, Orden und Anhänger sowie eine Pfeife für den Kommandeur und Fahnen wurden angeschafft. Durch freiwillige Spenden konnte 1913 eine neue Vereinsfahne erworben werden. Andere Stiftungen (J.H. Freese für die Königskette, Rolfes eine Gans für die Verlosung...) halfen die Ausstattung ein wenig zu vervollständigen.

Dann brach der 1.Weltkrieg aus und den Menschen war nicht nach feiern zu Mute. Für viele junge Männer wurde nun bitterer Ernst, was vorher nur Motto auf mancher Vereinsfahne war: „Üb`Aug`und Hand für`s Vaterland!“

Das ist in Friedenszeiten leicht dahergesagt, doch wie oft schon wurde es politisch missbraucht - im vergangenen Jahrhundert schon zweimal! Viele Familien, ganze Landstriche leiden bis heute unter den Folgen.

Erst ein Jahr nach dem Desaster des Krieges fand in Holte 1919 ein Schützenfest statt - viele waren nicht mehr dabei, wie in der Gefallenen-Gedächtnis-Kapelle nachzulesen ist. Es ist ein sehr sinnvoller Brauch, den Gefallenen jedes Jahr am Schützenfesttag einen Gedenkkranz zu stiften - damit wir nichts vergessen! Die heutige Gedenk-Kapelle mit dem kreuztragenden Christus („Holter Juden“) wurde 1950/51 gebaut, allerdings anders als das Denkmalsamt es vorschrieb (Kirchenarchiv Holte). Für 1951 ist erstmals solch eine Kranz-Stiftung erwähnt.

Zu den Folgen des Krieges kam noch die Inflation. Einige Zahlen von 1923 mögen das veranschaulichen: Das Schützenfest kostete rd. 5,2 Millionen RM - die Hälfte davon allein das Ausleihen des Zeltes. Der König erhielt als Siegerprämie 500.000 RM und eine neue Mütze kostete 70.000 RM. Ein wenig wurden diese Ausgaben durch Verkauf von zwei Zentnern Roggen abgefedert, die 1,5 Millionen RM einbrachten. Vielleicht stammt daher die etwas gehässige Aussage, Holte feiere immer erst nach der Kornernte Schützenfest.

1924 wurde es schon wieder etwas besser. Zum ersten Mal feierte man an zwei Tagen (5.und 6. Juli). Es fand auch eine Kinderbelustigung statt, die durch Geldsammlungen finanziert wurde. Erstmalig wird auch eine Schießbude erwähnt. Kuchen und Süßigkeiten gab es von Anfang an schon an einem Stand zu kaufen, der fast immer von einheimischen Kaufleuten gepachtet war. Auch der Herold erhielt 1924 ein neues Kostüm.

Im Winter 1925/26 wurde ein Theaterstück aufgeführt. Leider sind Titel und Spielort nicht vermerkt. Kostüme und Ausstattung kamen von Osnabrück. Nach Einnahmen (auch freiwilliger Spenden ) und Abzug aller Auslagen war noch ein kleiner Gewinn zu verzeichnen, der von den Aktiven „verzehrt“ wurde. Es scheint eine einmalige Sache gewesen zu sein, da in den kommenden Jahren nichts dergleichen vermerkt ist.

Neues Unheil drohte: Die Weltwirtschaftskrise kündigt sich an. Der Kassenwart notierte: „Im Jahre 1928 wurde in Anbetracht der schlechten Zeitverhältnisse kein Schützenfest gefeiert.“

1929 fand das Fest am 11. und 12. August statt, auch in den folgenden Jahren um diese Jahreszeit. Heute ist der Termin traditionell am ersten Wochenende im August.

Die Musikkapellen kamen aus verschiedenen Orten. Sie blieben bis auf wenige Ausnahmen über viele Jahre verpflichtet. Die Zahl der Musiker schwankte zwischen 5 und 8 Personen. Sie wurden anfangs privat untergebracht, später übernachteten sie im Holter Krankenhaus (bis 1968). Danach wohnten sie im Hotel Korte.

Die Folgen der Weltwirtschaftskrise: 1931 heißt es: „In diesem Jahr wurde von einer 2-tägigen Feier in Anbetracht der finanziellen Lage unseres Vaterlandes Abstand genommen (nur 9.Aug.).Auch das Königsschießen fiel aus“. 1932 kaum anders: „Da die Lage in unserem Vaterlande noch trostloser war, wurde ebenfalls von einer 2-tägigen Feier Abstand genommen (nur 14.Aug.). Auch jetzt fiel das Königsschießen aus.“ Kinderbelustigung und Preisschießen fanden trotzdem all die Jahre statt.

Ab 1933 ging es - außer im politischen Leben - wieder aufwärts.1937 trat Holte wohl im Zuge der Gleichschaltung aller Vereine mehr oder weniger zwangsweise dem Deutschen Schützenbund im Reichsbund für Leibesübungen bei. Der Verein übernahm auch dessen Satzung. Anfang Juli 1937 erlaubte die Kreisbehörde dem Schützenverein den Bau eines neuen Schießstandes. Die Pläne sind alle noch vorhanden. Schon am 25. Juli meldete der Vorsitzende Joseph Korte der Abnahmebehörde für Schießstände in Wilhelmshaven die Fertigstellung des neuen Standes. Nur für die kurze Abnahme musste ein Mann aus Wilhelmshaven für zwei Tage nach Holte anreisen.

Die Verantwortlichen des Vereins hatten aber wohl ein sehr distanziertes Verhältnis zu den braunen Machthabern: Mit einem Schreiben der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vom 20.11.1937 wurde der Schützenverein Holte aufgelöst, da man angeblich seinen Verpflichtungen gegenüber dem Reichsverband nicht nachgekommen war. Nach Erledigung der Forderungen wurde der Verein am 4. Januar 1938 unter Leitung von Josef Korte neu gegründet. Dieser wurde aber als Vereinsvorsitzender von der Gestapo abgelehnt und der Bürgermeister direktiv in das Amt eingesetzt. Es gab viel Ärger und Schreibereien. Nur mit Mühe konnte die Genehmigung für das Schützenfest 1938 erwirkt werden, evtl. weil - wohl zähneknirschend - ein sog. „Opferschießen“ durchgeführt und auch ein Sportgroschen für die Deutsche Sporthilfe eingesammelt wurde.

Nur zwei Jahre danach kam ein neuer Tiefschlag: „Vom 3.September 1939 bis zum 10. Mai 1945 Krieg. Anschließend waren Polen zur Besatzung in Holte. Im August 1948 wurde das erste Schützenfest wieder gefeiert. Das Fest wurde vom Sportverein Holte unter Leitung des Tischlermeisters Heinrich Freese übernommen. Da die Benutzung von Feuerwaffen noch verboten war, wurde mit der Armbrust geschossen.“

1949 durfte schon wieder mit Luftgewehr geschossen werden. Zum „40“-jährigen Jubelfest 1950 erhielt der Verein eine neue Fahne (Bonner Fahnenfabrik - Kosten: 450 DM, eine große Summe ein Jahr nach der Währungsreform!) und neue Schärpen. Nach einem Unfall beim Kleinkaliberschießen ordnete der Regierungspräsident am 28.8.1952 die Überprüfung aller Schießstände an.

Am 21.11. erhielt der Holter Verein die Anweisung, den Schießstand wegen des schlechten Zustandes unverzüglich zu schließen. Er musste völlig erneuert werden. Die Kriegsjahre hatten ihn verfallen lassen. Er bestand nur aus einem Erdloch mit vorgelagertem Wall. In dem Loch saßen die Anzeiger. Jeder Treffer wurde mit einem Holzpflock markiert. Die Schützen standen hinter einem überdachten Tisch mit Gewehrhalterungen. Später traten sie in eine betonierte Vertiefung mit Auflagemöglichkeit für die Gewehre. Die Kugelflugbahn säumten Fangwände aus Fertigplatten.

1953 konnte mit Kleinkaliber auf dem neu errichteten Stand um die Königswürde gekämpft werden. Der Neubau hatte dank Eigenleistung und Verwendung alter, in Handarbeit gesäuberter Steine nur 300 DM gekostet. Um dies finanzieren zu können, wurden Haussammlungen durchgeführt. Im Zuge der Sanierung schüttete man auch noch mittels Hand- und Spanndiest einen kleinen Teich auf dem Leeweskamp zu. Das gesamte Dorf half mit Festplatz und Ort zu säubern und zu schmücken: Vereine, Nachbarschaften, Lehrer Gödde mit den Schulkindern, usw.. Erstmals wird für das Vergnügen der Kinder auch ein Karussel erwähnt (Willy Wegener). Ob es schon vorher ähnliche Vergnügungsbetriebe auf den Festen gab, ist nicht belegt.

1954 wurde der Schießstand eingezäunt und mit einer Lichtanlage versehen. Die Schützen erhielten ein Jahr später neue Holzgewehre für den Marsch. Der Bestand wurde 1960 nochmals um 40 Gewehre erweitert. Im Sommer 1967 entstand eine kleine Halle und die Fangwände des 50m-KK-Standes wurden aus Kalksandstein gemauert. Oben waren in Abständen hängende Fangwände eingefügt. Da die weißen Kalkwände zu sehr auffielen, erhielten sie im folgenden Jahr einen dunkelgrünen Farbanstrich. Toilettenanlagen waren noch nicht ausgebaut (Wagen!). 1982 wurde der Schießstand mit den Fangwänden völlig neu gestaltet. Mittels eines Bausparvertrages und anderer Mittel wurden ca. 72.000 DM aufgebracht. Es entstand eine kleine Schützenhalle mit dazugehörigen WC-Anlagen. Nun wurden auch die Fangwände verklinkert und oben mit einem Betondach abgeschlossen.

1990 wurde dann der Schießstand erheblich ausgebaut. U.a. entstanden eine WC-Anlage für Behinderte und eine Schießanlage für Luftgewehre. Der letzte Um- und Erweiterungsbau fand im Sommer 1998 statt. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurde Vorhandenes modernisiert und erweitert. Die WC-Anlage und der Aufenthaltsraum wurden vergrößert. Eine kleine Küche, ein Tresen und ein Lagerraum gehören heute dazu.

Die gesamte Anlage wird zu vielen Anlässen genutzt: An den Schützenfesttagen, bei Schießübungen, für Generalversammlung und Vorstandssitzungen, für größere Geburtstagsfeiern von Vereinsmitgliedern und für kleine Gruppenfeiern, wenn der Großteil der Teilnehmer im Verein tätig sind.

1953 wurde erstmals mit einer langen Tradition gebrochen: Ehepaare bleiben auch auf dem Thron Paare. Bisher galt es als schicklich und kostengünstig, dass der König seine 1.Nachbarsfrau zur Königin erkor, der 1.Nachbar nahm dann die Frau des Königs zur Hofdame. Es war Brauch, dass die Königin den sog. Königinnenabend im letzten Jahresviertel mit Speis und Trank für den gesamten Thron gestalten und finanzieren musste. Der König hatte ohnehin schon den Löwenanteil der Kosten zu tragen.

Die übrigen Paare waren auch gemischt. Nach 1953 gab es aber wiederholt auch noch die alte Thronformung.

Der Hofstaat 1956 fuhr zum ersten Mal auf einem eigenen Thronwagen. Das ist bis heute so geblieben.

Der Festverlauf hat ebenso wie der Weg, den der Festzug nimmt, im Laufe der Zeit einige Wandlungen durchgemacht: Früh um 6 Uhr verkündete der Herold den Beginn der Festlichkeiten. Um 11Uhr war ein Platzkonzert mit dem Musikverein Holte auf dem Marktplatz. Hier wurden auch nach dem Mittag die Tanzbänder verkauft.

Durch den Kauf war man für ein Jahr Mitglied des Vereins und durfte sich sogleich ein Holzgewehr für den Marsch abholen. Das gibt es heute nicht mehr, da die Mitglieder Beitrag zahlen. Eine Abordnung von dreimal drei Schützen holte früher mit Musikbegeleitung die Fahne bei J.H.Knese ab.Das entfällt heute auch, da die Fahne im Vereinslokal am Markt aufbewahrt wird. Derweil gab und gibt noch heute der Kommandeur Order zum Antreten und Aufstellen aller Schützen auf dem Marktplatz. Er meldet dem Oberst das Bereitsein der Kompanie. Dieser begrüßt die Anwesenden und hält eine kleine Ansprache. Die Fahne wird eingereiht. Der Adjudant hat inzwischen mit zwei Königsoffizieren den Hofstaat in Kutschen abgeholt. Wenn der Thron naht, lässt der Kommandeur die Schützen „strammstehen“. Der Oberst meldet dem König das ordnungsgemäße Antreten der Schützen. „Majestät halten eine wohlgefällige Rede an sein Volk und wünscht ein frohes und schönes Fest.“ So ist es bis heute geblieben.

Vom König Freese (Landhandel-Bätsiene) wird berichtet (lt.L.Flint), dass er seine Ansprache mit den Worten schloss:„Ich mäste Euer Vieh und dünge Eure Äcker; so will ich Euch ein guter König sein.“

Danach gibt der Oberst den Befehl zum Abmarsch. Früher ritt der Herold dem Zug voran, um den Weg abzusichern. Diese Aufgabe übernimmt jetzt die Feuerwehr.

Schon viele Jahrzehnte begleiten der Musikverein (früher auch der Spielmannszug) und die Feuerwehr den Zug durch das Dorf.

Vom Marktplatz bis zur Kreuzung Markmeier ging der Marsch zum Krankenhaus. Hier wurde ein Ständchen gebracht, wenn Dr.Wortberg es erlaubte (falls dort keine Schwerkranken lagen). Weiter ging es an der Schule vorbei bis Möller - Rohmann - über die Kreuzung und endete auf dem Leeweskamp vor dem Zelt. Heute nimmt der Zug einen anderen Weg: Bei Korte geht es links über den Schultenhof bis zum Bullerberg (H.Freese-Schultejans-bis H.Knese-Kreuzung Brümmer). Er endet auf dem Platz vor dem Zelt. Nach einem „Stillgestanden!“ hieß es früher „Rührt euch!“ Nun folgten Ehrungen verdienter Mitglieder. König und Gefolge stellten sich vor der „Front“ auf und wurden hochleben lassen. Die Ehrungen entfallen heute an dieser Stelle. Der gesamte Zug zieht heute ins Zelt bis vor den Thron. Nach einem „Stillgestanden! - Präsentiert das Gewehr!“ besteigt der „Hof“ unter Begleitung des Präsentiermarsches den Thron. Der Kommandeur befiehlt: „Rührt euch! - Wegtreten!“ Sofort nach dem Marsch beginnt das öffentliche Preisschießen.Gegen 16 Uhr beginnt der gemütliche Teil des Festes. Um ca. 17.30 Uhr eröffnet der Thron mit einem Ehrentanz den Festabend. Die Damen waren immer festlich gekleidet, die Herren trugen früher Gehrock und Zylinder heute dunkle Anzüge. Früher erschien zwischen 22 und 23 Uhr das Festkomitee zur Huldigung der Majestäten.

Auf dem besagten Fest des Königs Freese soll man laut gerufen haben:

„Hier liegt vor Deiner Majestät

das Angesicht zur Erd gesenkt,

den Po ganz in die Höh`,

nun das gesamte Komitee.“

Zwischen 23 und 24 Uhr ging der Pastor nach Hause; gegen 1 Uhr war das Fest beendet und (fast) alle gingen nach Hause.

Im Zelt blieb eine Wache für die Getränke u.dgl.. Als einmal Nieters Bernd Wache hielt, erschien schon vor 6 Uhr in der Früh` Hermann Eilers (Zeitungs-Hermann) beim Zelt, da er ein großer Freund von Festlichkeiten war. An seiner Hose fehlten die Hosenträger, die Marie zu Hause versteckt hatte, um einen zu frühen Ausflug Hermann`s zu verhindern. Zwecklos: ein Weidedraht übernahm die Aufgabe der Träger und Hermann hatte sein Vergnügen.

Am Montag, dem zweiten Festtag, war früher (bis in die siebziger Jahre) um 6 Uhr Wecken durch den Spielmannszug Holte.

Nach dem Hochamt um 8 Uhr wurde der Gedenkkranz in der kleinen Kapelle niedergelegt. Um 9 Uhr war Antreten zum Marsch, der vom Marktplatz aus bei Brüggen links ab direkt zum Platz führte. Um etwa 11.30 Uhr war der neue König bekannt. Schützen und die Musikkapelle begleiteten ihn nach Hause, wo nach einem kleinen Umtrunk der Zug sich auflöste.

Vor allem für die Damen des neuen Thrones folgten hektische Stunden. Schnellstens fuhr man zu Dorgeloh (Löningen), um Festkleider zu kaufen. Die Haare mussten besonders aufgeputzt werden. Um 16 Uhr kam schon die Abordnung, um den neuen Thron abzuholen.

Mitte der 30ger Jahre war ein Gastwirtsohn neuer König geworden. Er muss wohl sehr viel „Zielwasser“ getankt haben. In der Festpause hatte er sich schlafen gelegt. Nach gewisser Zeit zog er Arbeitskleidung an, nahm die Sense auf die Schulter und wollte zum Mähen. Unterwegs traf er Joh.Lager (Tümm Jan), der ihn ansprach: „Kasper, waor wullt du denn mit de Saiße hen, du heßt doch Könek schaoten un mußt hen`t Schützenfest!“ „Watt häbbe ick? Schützenfest? Könek? - Mein Zeit, denn hab ick mi jae gänz verdaan!“ Kasper kehrte um und war König.

Um 16 Uhr wurde der neue Thron vom Marktplatz - Korte - Schultenhof - Leeweskamp zum Zelt begleitet.

Um 17 Uhr begannen das Preisschießen nur für Vereinsmitglieder und die Kinderbelustigung mit Kletterbaum, Sackhüpfen, Eierlauf, Staffellauf und vieles mehr. Natürlich gab es auch Karussel-Freifahrten für alle Kinder. Abends war dann großer Festball.

Heute entfällt das offizielle Wecken. Um 8.30 Uhr ist das Gedenkhochamt und anschließend Frühstück im Vereinslokal. Danach wird ein Ehrenkranz am Denkmal niedergelegt. Nach dem Antreten auf dem Marktplatz wird unter Begleitung des Musikvereins Holte-Lastrup „auf kurzem Wege“ zum Platz marschiert. Hier werden vor dem Zelt die Ehrungen vorgenommen. Das Königsschießen beginnt. Nun herrscht reges Treiben im und vor dem Zelt. Viele „Buten-Hölter“ sind angereist und genießen die kurzweilige Zeit im Kreise der alten Bekannten. An den Tischen und Theken wird rege diskutiert, viel gescherzt und gelacht und manch altes Erlebnis in Erinnerung geholt. Ca. 12.30 Uhr: Proklamation des neuen „Herrschers von Holte“.

Nach der Thronzusammenstellung benachrichtigt der Adjudant die Auserwählten. Um ca. 13 Uhr ist Abmarsch zum Marktplatz, wo der neue König verabschiedet wird. Bis 17 Uhr ist Festpause, die der Thron auch dringend braucht, um sich herauszuputzen, damit er sich den kritischen und vergleichenden Blicken des „Volkes“ stellen kann. Der Zug um 17 Uhr geht über den Schultenhof zum Festplatz, wo um 18 Uhr der Throntanz den Abend eröffnet. Die Kinder vernügen sich noch einmal bei Kinderbelustigung und Freifahrten. Die Vereinsmitglieder können noch am Preisschießen teilnehmen.

Für viele endet das Fest gegen Morgen mehr oder weniger nüchtern. Früher wurde nach dem Fest vom Volk, das der Fahne, der Musikkapelle und dem Thron folgte, das Vereinsbanner zu Knese gebracht. Hier wurde es bis zum nächsten Einsatz aufbewahrt. Nach einem Unfall wurde dies eingestellt.

Die Hartgesottenen ließen es sich früher nicht nehmen, am Dienstag ab dem späten Vormittag noch mit zum Königshaus zu „gehen“, um die Scheibe aufzuhängen. Vom Marktplatz setzte sich der „Zug“ mit Musikbegleitung unter Vorantragen der Königsscheibe zum Haus des Regenten in Bewegung. Nach gut einer Stunde Spaß und Ulk bei Freibier vom König prangte die Scheibe am Giebel des Hauses und der „harte Kern“ trat den Rückmarsch zu Mödden an.

Seit ein paar Jahren ist dies so geändert worden, dass man sich ca. zwei Wochen nach dem Fest an der Schützenhalle trifft und dann mit der Scheibe zum Königshaus zieht. Der Abend endet auch an der Schießhalle. Damit ist das Fest offiziell zu Ende.



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. Juni 2010 um 14:57 Uhr